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Vom Armenhaus zum bekannten Urlaubsort

Man beachte die aufrechte Körperhaltung des Herrn, der  links steht: Da weiß man doch gleich, wer hier das Kommando hatte. 

Modisch topaktuell präsentierte sich diese Gruppe. 

Oh, là, là: Männlein und Weiblein buntgemischt und schulter- wie kniefrei: den Einheimischen soll derlei Treiben ein Dorn im Auge gewesen sein.  

Diese Aufnahme stellt es unter Beweis: Bereits im frühen 20. Jahrhundert ließ man sich fürs Foto nicht lange bitten

Die Mädels in Kittelschürzen, die Jungs im Matrosenanzug, so wurden die Kinder piekfein herausgeputzt. 

Die Damen zeigen sich züchtig hochgeschlossen. 

Die „Giftbude“ von 1911 führte auch Alkoholika und war der allererste Pfahlbau des Strandes. Alle Fotos: Ortschronik St. Peter-Ording

Diese Aufnahme stellt es unter Beweis: Bereits im frühen 20. Jahrhundert ließ man sich fürs Foto nicht lange bitten. 

Von Werner Hajek

Es klingt wie das Märchen vom Aschenputtel: Aus den kümmerlichen Dörfern Ording und St. Peter, den Armenhäusern der Landschaft Eiderstedt, wurde dank des Tourismus das wohlhabende und weithin bekannte St. Peter-Ording.

Recht mühselig war einst das Leben am äußersten Ende unserer Halbinsel. Fischer, kleine Bauern und Handwerker fristeten eine bescheidene Existenz. Immer wieder verschlang die grausame Nordsee Land und Menschen, während der feine Seesand der Wanderdünen die Äcker und Wiesen überwehte und sie unfruchtbar machte. Doch dann, vor etwa 150 Jahren wurden Meer und Sand nach und nach vom Fluch zum Segen: Die Urlauber kamen und verliebten sich in den Platz. Die Lokalzeitung Eiderstedter Nachrichten schwärmte schon Anno 1876 von den Vorzügen Ordings: Begünstigt sei der Ort "durch den reichen Salzgehalt des Meeres, durch den schönen Meeresgrund, den köstlichen Wellenschlag und seine romantische Lage an den imposanten Dünen."

1877: die Geburtsstunde

Als eigentliche Geburtsstunde des späteren Bad St. Peter-Ording gilt die Eröffnung des „Strandhotels" in den Dünen zwischen St. Peter und Ording im Jahr 1877. Heute steht dort das „Luv und Lee“. Gesundheit war Trumpf: 1913 gründete das Arztehepaar Felten mit dem „Goldene Schlüssel“ das erste Sanatorium, zwei Jahre vorher errichtete der Hamburger Verein „Köhlbrandt“ am heutigen Strandübergang Ording das erste Kinderheim. Längst hatte da der Badebetrieb begonnen. In Karren, die von Pferden ins Wasser gezogen wurden, konnte man sich umziehen, um dann geschützt vor fremden Blicken direkt vor dem Badekarren ins Wasser zu steigen. An Land hatten Arm und Bein fromm bedeckt zu bleiben.

Ab 1900:knie- und schulterfreies Badevergnügen

 

Doch bald nach 1900 wurde die Kleidermode kräftig durchgepustet. Auf alten Fotos ist das sehr schön zu sehen. Plötzlich posierten Männlein und Weiblein buntgemischt und schulter- wie kniefrei vor der Kamera. Von den Einheimischen soll dieses ungenierte Treiben sehr kritisch betrachtet worden sein. Insbesondere die Damen des Ortes hätten sich angeblich um die Moral ihrer Männer gesorgt. Das trug später zum Bau der ersten Seebrücke bei. Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden. Am Rande bemerkt: So ganz stimmt die hübsche Geschichte von den Armenhäusern Eiderstedts dann doch nicht. Stattliche Haubarge am Ortseingang von St. Peter-Dorf zeugen von einem wohlhabenden Bauerntum wenigstens in dieser Ecke des Ortes.


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