Kultur und Menschen

Trödel, Ramsch und Raritäten

Nostalgie pur: Auf Flohmärkten findet man so manchen Schatz aus einer längst vergessenen Zeit.

Die Flohmärkte in Eiderstedt sind die Besten von ganz Deutschland, darüber sind sich zumindest die Eiderstedter einig. Ähnlich wie auf den Wochenmärkten wird nicht nur geschaut und gekauft, sondern auch viel geschnackt. Hier treffen sich Freunde und Familie zum gemeinsamen Stöbern und auf den größeren Flohmärkten gibt es oft ein kulinarisches Begleitprogramm in Form von Imbissständen. Eine furchtlose KüMa-Mitarbeiterin hat sich dem Trödel gestellt.

Schnäppchen-Jagd 

Vor meinem ersten Besuch auf einem Trödelmarkt, und das ist noch gar nicht so lange her, habe ich mich natürlich ausgiebig über Gepflogenheiten informiert. Es empfiehlt sich, so früh wie möglich auf Schnäppchen-Jagd zu gehen, denn viele andere gierige Blicke schweifen über die Flohmarktstände und halten nach Kostbarkeiten Ausschau, so hieß es. 

Als ich dann also erste Mal auf einen Flohmarkt ging – der Tag war schon ziemlich fortgeschritten –, fühlte ich mich erschlagen von den vielen Objekten, die es zu bewundern galt. Wenn man nicht der Typ für ausgefallene Wohn-Accessoires ist, dann kann die Masse an Porzellan mit Gänsemotiv und Co. schon etwas erschrecken. Als der erste Schock verdaut war, sah ich genauer hin und entdeckte viele hübsche und auch sinnvolle Gegenstände. 

Im letzten Jahr habe ich auf dem Flohmarkt in Tönning zum Beispiel eine wunderschöne alte Kaffeemühle gefunden. Sie sieht nicht nur urig aus, sondern kann auch etwas. Man muss sie ab und zu ein bisschen schütteln, damit sich das Gewinde nicht verhakt, aber für 5 Euro kann man das akzeptieren. Irgendwie macht das auch den Charme dieser alten Kostbarkeiten aus. Sie quietschen, verklemmen sich, Farbe bröckelt ab. Dafür fallen sie aber auch nicht gleich auseinander, wenn man ihnen einen Klaps gibt. 

Die dicksten Fische …

 … liegen manchmal unter einer gehäkelten Tischdecke. Was wie ein japanisches Sprichwort klingt, ist harte Realität auf Flohmärkten. Ich musste also in meiner Laufbahn als interessierter Stöberer feststellen, dass man da nicht schüchtern sein darf. 

Viele Verkäufer mieten eine relativ kleine Standfläche für sehr viel Trödel. Da muss man sich ein Herz fassen und auch mal etwas zur Seite packen, wenn nicht alles einsehbar ist. Ich weiß nicht warum, aber da ich mich vor dem potentiellen Zorn des Besitzers fürchte, frage ich lieber, ob anfassen erlaubt ist. Die meisten Verkäufer freuen sich, wenn nicht nur flüchtig geschaut wird. 

Geschickt verhandeln 

Wenn ich ein gutes Stück gefunden habe, kommt noch eine letzte Hürde, nämlich die Frage nach dem Preis. Vielen ist es unangenehm zu feilschen, so auch mir. Aber tatsächlich gehört das zum Flohmarkt dazu und auch die Verkäufer wissen das. Ich habe mal gehört, ich solle auf jeden Fall vermeiden, dass man mir anmerkt, wie gern ich das Fundstück haben will. Auch ein selbstsicheres Auftreten sei von Vorteil. Die Gespräche verlaufen etwa so:

Ich (euphorisch): „Wow, das kann ich total gut gebrauchen! Was kostet das?“  Verkäufer: „15.“ Ich (kleinlaut): „Ich geb Ihnen 12?“ Verkäufer (bekommt grimmige Knopfaugen): „Nein, 15.“ Ich: „Ok.

Und dann schleiche ich mit meinem hart erkämpften Super-Fund von dannen und freue mich, dass ich immerhin eine kleine Tüte rausschlagen konnte.


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