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Robben frieren nicht 

Heuler

Robben

Von Ulrike Krickau

Schnell wieder rein ins Warme. So schön es an der Nordsee im Herbst und Winter auch ist: Noch schöner ist es, nach einem Spaziergang wieder ins Warme zu kommen und es sich gemütlich zu machen. Aber wie geht es den Seehunden und Kegelrobben der Nordsee während der beiden ungemütlicheren Jahreszeiten? Die Antwort ist ziemlich simpel: Es geht ihnen gut. Das weiß die Biologin Stefanie Mahal, Mitarbeiterin der Seehundstation in Friedrichskoog: „Der Blubber, die Fettschicht unter der Haut, isoliert nicht nur gegen die Kälte, sondern auch gegen Wärme.“

Seehunde und Kegelrobben sind, auch wenn wir Menschen dazu neigen, ihnen menschliche Eigenschaften zuzuschreiben, Beutegreifer. Die Kegelrobben können an ihrem kegelförmigen Kopf erkannt werden, der ihnen auch ihren Namen gab, und sie werden mit bis zu 300 Kilo beinahe doppelt so schwer wie die Seehunde, die mit ihrem runden Kopf und den Kulleraugen alle Klischees bedienen, die wir Menschen brauchen, um sie einfach nur niedlich zu finden. Der Bestand an Seehunden hat in Schleswig-Holstein die stolze Zahl von rund 8721 Tieren erreicht, und auf Helgoland hat sich eine sehr stabile Population mit rund 256 Tieren etabliert. Schwere Epidemien, zuletzt ausgelöst durch einen Influenza-Virus, scheinen ausgestanden. Die Heuler, die die Seehundstation erreichen, lassen sich meist ohne größere Probleme aufziehen und sind nach einiger Zeit fit für ein Leben im Meer. In Zeiten, in denen es der Population nicht gut geht, hängen auch die Heuler in ihrer Entwicklung nach, sie sind anfälliger und brauchen längere Zeit für ihr Heranwachsen.

Intensive Jagd auf Kegelrobben im 19. Jahrhundert

Bei archäologischen Funden hat sich gezeigt: Es gab eine Zeit, in der es an der Nord- und Ostsee etwa genauso viele Kegelrobben wie Seehunde gab. Doch als Konkurrenten der Fischer wurden sie im 19. Jahrhundert intensiv bejagt. Heute sind die Kegelrobben an der Nordsee viel seltener anzutreffen als Seehunde. Sie reagieren, so scheint es, sehr sensibel auf Umweltgifte. Ihr Bestand hat sich in Schleswig-Holstein auf etwa 764 Tiere eingependelt, 155 davon leben an der Westküste. Bejagt werden die Tiere schon seit den 70er Jahren nicht mehr. Vielmehr helfen die sogenannten Seehundjäger, den Bestand zu schützen; besonders in der Geburtenzeit arbeiten Sie eng mit der Seehundstation zusammen, um verlassene Jungtiere an der gesamten Küste zu bergen und an die Station zu übergeben.

Ihre Jungen bringen die Kegelrobben mitten im Winter zur Welt. Sie sind in dieser Zeit auf überflutungssichere Standorte angewiesen, dort ziehen ihre Jungen auf, bis sie nach etwa zwei bis drei Wochen entwöhnt werden.

Seehunde werden im Juni und Juli geboren

Die Seehunde bringen ihre Jungen im Juni und Juli zur Welt und auch sie kommen zur Geburt und Aufzucht ihrer Jungtiere an Land. Aber ihre Jungen können vom ersten Tag an selbständig schwimmen, trotzdem leben auch die Seehunde in dieser Zeit meist auf Sandbänken. Ausflugsschiffe fahren an diesen Sandbänken vorbei und deshalb ist es schon vielen Besuchern aufgefallen: Seehunde sind selbst in dieser Phase echte Einzelgänger und halten mindestens anderthalb Meter Abstand zu ihren Artgenossen.

In der Seehundstation in Friedrichskoog beginnt im späten Herbst die ruhigste Zeit des Jahres. Die Kegelrobbenjungen sind noch nicht geboren und die meisten Seehundheuler sind schon ausgewildert. Aber was wird aus den ausgewilderten Tieren? Das möchten Stefanie Mahal und ihre Kollegen und Kolleginnen von der Seehundstation gerne wissen und haben deshalb ein Projekt initiiert, bei dem alle mitmachen können, die eine Kegelrobbe gesehen haben. Beim Kegelrobben-Bingo (www.kegelrobben-bingo.de) sind auf der Website Lebensläufe, Fotos und die Beschreibung der Kegelrobben hinterlegt. Wer eine Kegelrobbe gesehen und fotografiert hat, kann ihr Bild hochladen. Kegelrobben sind gut zuzuordnen, sie unterscheiden sich in ihrer Fellzeichnung, die so individuell ist wie der menschliche Fingerabdruck. 

Die Mitarbeiter der Seehundstation sind weitgehend dagegen gefeit, ihre Schützlinge zu vermenschlichen, aber auch sie begleiten mit großem Interesse die Tiere. Stefanie Mahal: „Christkind und Sternchen sind bei uns zusammen in einem Becken aufgewachsen, ich war sogar bei der Auswilderung dabei. Vier Jahre später wurden sie auf Helgoland mit ihrem Nachwuchs gesichtet. Das ist doch einfach schön zu wissen, oder?“


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