Ausflugs- und Freizeittipps

Laufend die Küste erobern

In bester Gesellschaft: Laufen gehört aktuell  zu den Trendsportarten.

Nach 255 Kilometer angekommen: Die Boyens-Medien-Laufgruppe bestehend aus Arbeitskollegen und Freunden beim Ragnar Relay Wattenmeer 2018. Vorne rechts kniend Hartmut Tamcke. 

Von Hartmut Tamcke 

„Wer joggt, lebt länger“, hatten Freunde auf die Karte geschrieben, „und die zusätzliche Zeit kann man dann nutzen, um zu joggen.“ Darunter hatten sie noch einen Smiley gekritzelt, denn meine Freunde wissen natürlich, dass fast kein Tag vergeht, an dem ich nicht laufe. Damit befinde ich mich in guter Gesellschaft. Nicht erst seit heute übrigens, sondern seit sehr, sehr langer Zeit.

490 v. Christus: Der Marathon bekommt seinen Namen Stets sind die Menschen gelaufen. Gewiss, anfangs nicht zu Sportzwecken, sondern schlichtweg um zu überleben. Steinzeitliche Abbildungen zeigen Menschen, die dem Wild laufend hinterher hetzen. Überliefert ist die Geschichte des Griechen Pheidippides, einem athenischen Boten, der vor der Schlacht bei Marathon mit einem – letztlich vergeblichen – Hilfeersuchen nach Sparta lief. Dieser Lauf über etwa 245 km (!) ist das Vorbild für den modernen Spartathlonlauf. In wesentlich späteren Überlieferungen wurde dann der Name des Pheidippides auf jenen legendären Boten übertragen, der nach der Schlacht 490 v. Chr. von Marathon nach Athen gelaufen und an Erschöpfung gestorben sein soll - aber erst, nachdem er die Nachricht die frohe Botschaft vom Sieg über die Perser übermittelt hatte. Dieser sagenhafte Lauf über etwa 42 km ist das Vorbild für den modernen Marathonlauf, der es auf exakt 42,195 Kilometer bringt. 

42,195 Kilometer, weil es die Prinzessin wollte

Als der Marathonlauf olympisch wurde, im Jahr 1896, lag die Strecke noch knapp unter 40 Kilometern. Ihre bis heute festgelegte Länge erhielt sie erst bei den Olympischen Spielen 1908 in London. Die Läufer sollten am Palastfenster der  englischen Prinzessin vorbeilaufen – was einen Umweg bedeutete und zur Streckenlänge von 42,195 Kilometern führte.

Seit den Olympischen Spielen der Antike 

Die Geschichte des wettbewerblichen Laufens reicht allerdings deutlich weiter zurück. Schon bei den Olympischen Spielen der Antike gab es Laufwettbewerbe. Heute finden an jedem Wochenende irgendwo auf der Welt mehr oder weniger große Laufveranstaltungen statt. Und alle haben etwas gemeinsam: Es werden Teilnehmer jeden Alters gezählt. Kids sind auf kürzeren Strecken unterwegs, Stadtläufe gehen von fünf bis 20 Kilometer: Halbmarathons und Marathonläufe gibt es in großer Zahl. Wem diese Strecken immer noch zu kurz sind, meldet sich zum  Ultramarathon an, der schon einmal deutlich über 100 Kilometer lang sein kann.

Laufend die Küste erobern

Auch bei uns an der Westküste ist das Laufen eine beliebte Freizeit- und Sportbetätigung. Zwischen Watt und Geest finden Walker, Jogger und Läufer wunderbare Wege, auf denen sie sich auslaufen können. Ein Hochgenuss am  Küstensaum, selbst wenn der Wind bläst, und in den Wäldern der Geest macht es Spaß, beim Joggen den Stimmen der Natur zu lauschen. Das wissen auch die Organisatoren von Laufsportveranstaltungen. Und die Zahl der Veranstaltungen wächst weiter und sie zeigen sich dabei äußerst vielseitig: Stadtläufe sind dabei, es gibt Läufe am Strand, auf den Deichen, durch Marsch, Geest und Wald. Sie reichen von kurzen Strecken für Freizeitjogger bis hin zu Staffelläufen über lange Strecken. Beim 2. Ragnar Relay Wattenmeer am 31. August 2019 beispielsweise starten Teams mit bis zu zehn Läufern am Fischmarkt in Hamburg und laufen abwechselnd bis mittags am 1. September die 255 Kilometer lange Strecke bis nach St. Peter-Ording. Beim ersten Ragnar-Lauf im vorigen Jahr absolvierte das schnellste Team diese Strecke in 17,5 Stunden. 30 Stunden benötigte die langsamste Gruppe. Am Ende war es egal, wie schnell die Läufer waren, das Dabei sein zählte.  

Der Ragnar-Lauf ist besonders, doch die Liste der Läufe an der Westküste ist lang und die Auswahl – auch an Streckenlängen – ist groß. Alle Läufe haben etwas gemeinsam: Sie führen durch eine reizvolle Landschaft und das besondere Klima der Küstenregion gibt es gratis obenauf. Könnte also durchaus was dran sein, an dem eingangs erwähnten Satz meiner Freunde.

Unser Autor Hartmut Tamcke lebt in Hamburg und läuft mit seinen 66 Jahren bei Laufveranstaltungen manchem Jüngeren davon.


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