Kultur und Menschen

Haubarge – Eiderstedts historische Schönheiten

Neben dem Herrenhaus in Hoyerswort steht dieser 1704 erbaute Haubarg.

Der Haubarg in Hoyerswort von innen.

Fährt man über Eiderstedt, blitzen hin und wieder riesige Reetdächer auf, die fast pyramidenartig in den Himmel ragen. Es sind Haubarge – Bauernhäuser, die so groß gebaut wurden, damit sie Mensch und Tier unter einem Dach beherbergen können. Auch das Heu wurde dort gelagert; daher auch der Name, der so viel wie „Heu bergen“ bedeutet. Sie wurden um 1600 von westfriesischen Einwanderern nach Eiderstedt gebracht.

Gemacht für die Ewigkeit

Zu Blütezeiten gab es in Eiderstedt etwa 450 dieser Bauwerke, von denen heute noch 45 erhalten sind. Dass sie sich über Jahrhunderte halten konnten, liegt unter anderem an ihrer Architektur. Haubarge sind sogenannte Ständerbauten, bei denen vier bis zehn Ständer mit den Balken verbunden sind und das Haus stabilisieren. Dadurch wird es vor Naturgewalten wie Stürmen und Fluten geschützt. Selbst wenn der Grundbau beschädigt wird, halten die Balken das Dach und die Wände können nach dem Sturm wieder hochgezogen werden. Die Balken erleichtern zudem das Erneuern des Mauerwerks, welches durch die salzige Meeresluft brüchig wird.

Alles unter einem Dach

Haubarge sind meistens rechteckig, in manchem Fällen quadratisch und meist auf einer Warft errichtet, einer künstlich angelegten Erderhöhung. In der Mitte des Gebäudes wurden das Korn und die Heuballen gestapelt. Um diese Mitte herum baute man die Stallungen, den Wohn- und Schlafbereich für die Gutsbesitzer und die Kammern für das Hofgesinde. Manchmal wurde die Haubargscheune erst im Nachhinein angebaut und über ein Durchgangszimmer mit dem Landgut verbunden.

Der Rote Haubarg

Der Erhalt der Haubarge ist durch die Instandhaltung des großen Reetdachs sehr teuer, daher werden sie kaum noch landwirtschaftlich genutzt. Der Rote Haubarg in Witzwort ist das wohl bekannteste Gebäude seiner Art. Er wurde offiziell 1647 erbaut und trotz seines Namens ist dieser historische Bauernhof nicht rot, sondern weiß. Der Rote Haubarg umfasst heutzutage nicht nur einen gastronomischen Bereich, sondern auch ein Museum, in dem der Alltag der Bewohner zur Blütezeit der Haubarge vermittelt wird. Im Garten erinnert eine Statue an die Sage von der Entstehung des Roten Haubargs.


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