Ausflugs- und Freizeittipps

Die Welt der Schafe

diverse Termine

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Von Ulrike Krickau

Die beiden Lämmchen, die neben ihrer Mutter im Stroh liegen, sind zehn Tage zu früh zur Welt gekommen. „Aber die wollen leben, das siehst du denen schon an“, sagt Schäfer Lars und streichelt den beiden Kleinen über die Rücken. „Die kommen jetzt gleich noch unter die Wärmelampe, dann geht es ihnen gut.“

Es ist der einzige Moment, an dem Lars kurz stille steht. Den Rest der abendlichen Fütterung erledigt er im Laufschritt. Die Abläufe erinnern ein wenig an die Abfertigung von Fluggästen im Sicherheitsbereich eines Flughafens. In der großen Halle und dem angrenzenden Freigelände regeln bewegliche Zäune, Eisenhecken genannt, welche Wege die Schafe nehmen. Die kennen die abendlichen Abläufe mindestens so gut wie ihr Schäfer und drängen schon in die Richtung, wo das Futter auf sie wartet.

Während sie draußen fressen, wird der Stall frisch mit Stroh eingestreut, die Raufen werden mit neuer Silage befüllt. Und auch daran zupfen und knabbern einige Schafe mit Hingabe, andere warten auf ihre Chance, einen Platz an der Raufe zu erwischen. Als wüssten sie nicht, dass sie sich eigentlich Zeit lassen können. „Ich bin kein Freund des rationierten Fütterns, bei mir können sie den ganzen Tag fressen“, erklärt Schäfer Lars. „In der Hochträchtigkeit brauchen die Schafe viel Energie, um ihre Lämmer ausreichend zu versorgen und damit sie später auch genügend Milch haben, um sie aufzuziehen. Da sollte ich auch dafür sorgen, dass es Ihnen gut geht und sie satt werden.“

Schaf „Mäh“ springt wie ein Känguru Während also die meisten Schafe artig auf den vorgezogenen Bahnen dorthin gehen, wohin Schäfer Lars sie leitet, biegt ein einzelnes Schaf mit einem fröhlichen „Mäh!“ um die Ecke. „Das ist unser Spezialschaf, so was hast du noch nicht gesehen.“ Obwohl Lars mit dem Kopf schüttelt, kann er sich das Lachen kaum verkneifen. „Die nimmt Anlauf und springt über jeden Zaun.“ Doch dann wird er ernst: „Wenn schon ein Schaf über den Zaun kommt, wie leicht wird es dann erst der Wolf haben, die angeblich sicheren Zäune zu überwinden.“ Die Schäfer in Dithmarschen machen sich große Sorgen wegen des Wolfes. Kaum ein Tag vergeht ohne Schafsriss. Einige vom Wolf verletzte Schafe mussten eingeschläfert werden. Auf dem Stallgelände sind seine Tiere sicher, hofft Schäfer Lars. Etwa ab Mitte April, nach dem Lammen, werden auch die etwa 800 Schafe von Lars und Tanja wieder auf den Deich kommen. Dann nehmen die Schafe zusammen mit ihren Lämmern ihre Aufgaben im Küstenschutz wahr, verdichten die Böden und halten das Gras kurz. Dort, auf dem Deich, lässt sich auch in aller Ruhe beobachten, dass keineswegs ein Schaf dem anderen gleicht. Sie haben breite und schmale Gesichter, lange und kurze Nasen, sind kräftig oder schmal und sogar ihre Stimmen klingen unterschiedlich. In der Welt der Schafe ist ein „Mäh“ mindestens so variantenreich wie das Land zwischen den Meeren.

Info

 Am 28.04. zwischen 9 und 11 Uhr werden einige Schafe von Schäfer Lars im Rahmen der Friedrichskoog-Aktivwoche im Park am Deich geschoren.


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