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Büsums Finger wird 50

Wenn die Sonne richtig steht, "brennt" das Hochhaus. Foto: Trottmann

Blick vom Hafen aus auf das Hochhaus. Foto: Trottmann

Wellen Nordsee Strand Hochhaus Büsum

Bau des Hochhauses vor 50 Jahren. Foto: Archiv

Bau des Hochhauses vor 50 Jahren. Foto: Archiv

Strahlend: Das Hochhaus während der Lichterwoche. Fotos: Trottmann

Der Bau des Büsumer Hochhauses 1971. Foto: Warnholz

  Vsp: Die Einheimischen nennen es Büsumer Finger. Weithin sichtbar, ist das Büsumer Hochhaus eine Erkennungsmarke sowohl von der See als auch vom Land aus. Vor 50 Jahren wurde das nicht nur damals umstrittene Gebäude errichtet. Und die Geschichte des Hochhauses gleicht einer Provinzposse.

 Grundtext: Im Jahr 1971 war man mitten im Baubetrieb für das damals höchste Gebäude an der schleswig-holsteinischen Westküste direkt am Büsumer Hauptstrand. Das 22-stöckige Hochhaus mit an die 200 Wohnungen ist heute selbst von Cuxhaven oder Eiderstedt zu sehen. Der Bau wurde auf 47 Pfählen 26 Meter tief gegründet. Der Hamburger Bauherr Warnholz verkündete mit diesem Objekt den „Beginn einer neuen Ära für Büsum“, laut Zeitungsbericht aus dem Jahr 1971. Geplant war, im obersten Stockwerk ein Café in fast 67 Metern Höhe zu eröffnen. 

Nicht nur in der Büsumer Bevölkerung war das Gebäude damals äußerst umstritten. Und auch die Baugenehmigung der Büsumer Gemeindevertretung konnte sich das Bau-Unternehmen nur mit einem „Trick“ sichern. 

Der ehemalige Chefredakteur der Dithmarscher Landeszeitung, Eugen Speyer (1939 bis 2013), schrieb vor 25 Jahren dazu: Tatsache ist, dass niemand in Büsum diesen Riesenfinger am Ende des Hauptstrandes so recht wollte. Doch die Kröte musste von den Kommunalpolitikern geschluckt werden, weil das damals fremdenverkehrswirtschaftlich explodierende Büsum dringend ein Tagung- und Kongresszentrum mit angeschlossenem Hotel brauchte. Die Lösung wurde in einem Handel zwischen der Gemeinde und einem Hamburger Bauunternehmer gefunden. 

Das Kongresszentrum für 300 Besucher plus einem 60 Betten-Hotel sollte auf Kosten des Hamburger Unternehmens entstehen. Die Kongresshalle sollte dort gebaut werden, wo heute das Hotel „Friesenhof“ steht. Für diesen „Liebesdienst“ erlaubte Büsum im Gegenzug dem Hamburger Unternehmen, ein 22-Etagen-Hochhaus zu errichten. Doch vor der Kongresshalle baute das Hamburger Unternehmen erst einmal das Hochhaus. Erster Spatenstich war 1970. 47 Stahlbetonpfähle wurden als Stützbeine für das Superprojekt in den Boden gerammt. Dann wurde Betonplatte an Betonplatte gesetzt bis zur endgültigen Rohbauhöhe von knapp 70 Metern. Im Oktober 1972 war der „Büsum-Finger“ dann schließlich fertig. 

Ein halbes Jahr vorher wurde jedoch „das geplante Hotelprojekt mit Kongresshalle auf Eis gelegt“, wie es offiziell aus dem Büsumer Rathaus verlautet, und zwar „weil es bei der derzeitigen Zinsenlage keinerlei vernünftige Finanzierungsmöglichkeit“ gebe. In Wirklichkeit war es ganz anders, wie später herauskam: Das Kleingedruckte in der Vereinbarung eröffnete dem Bauunternehmen die Erlaubnis zum Hochhausbau mit verdeckter Ausstiegsklausel für die Kongresshalle. Die war offensichtlich von der Gemeinde nicht genau gelesen worden. Die Hamburger Firma bot Büsum 360.000 D-Mark als Ablöse aus der Verpflichtung zum Kongresshausbau – was vertragsrechtlich einwandfrei war. 

Statt Geld nahm aber Büsum vom Bauträger das lukrativere Angebot einer Übertragung des Hochhauscafé-Geschosses an. Aber auch das endete mit einer Enttäuschung: Die Gemeinde hielt vergeblich nach einem geeigneten Pächter Ausschau, keiner wollte ein Café in luftiger Höhe betreiben. So ließ Büsum das Café-Geschoss auf eigene Rechnung zu Eigentumswohnungen umbauen, um durch deren Verkauf wenigstens noch einige Mark retten zu können.

 Der Großteil der Eigentumswohnungen, die zwischen 39 bis 63 m² groß sind, drei weitere bis 90 m² in der obersten Etage, wird heute touristisch genutzt. Die Ferien-Appartements sind sehr begehrt – nirgendwo sonst hat man einen schöneren Blick über die Nordsee, das Wattenmeer und auf Büsum. Und an den Anblick des Büsumer Fingers habe sich die meisten nach 50 Jahren gewöhnt – Büsums Hochhaus ist inzwischen vielleicht sogar eine weithin sichtbare Sehenswürdigkeit.


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