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Aufblühen an der Küste

Rike und Tjark Herzog. Foto: mk-landscape photography

Niels Piening

Foto: Wehrmeier

Foto: Büsing

Früher umschwirrten dutzende Wespen, Bienen und andere geflügelte Gesellen die Kaffeetafel auf der Terrasse. Die waren genauso scharf auf den Obstkuchen wie menschliche Leckermäulchen. Heute genießt man seine Outdoor-Snacks meistens allein. Manchmal schaut noch eine vorwitzige Fliege vorbei, aber das war‘s dann schon mit der sommerlichen Insektenvielfalt im Garten oder auf dem Balkon. 

Das mögen manche Zeitgenossen toll finden. Aber die meisten Menschen sehen dem langsamen Aussterben der heimischen Insekten mit Angst entgegen: Die Tiere sind bekanntlich enorm wichtig für das Ökosystem: Experten gehen davon aus, dass sie etwa drei Viertel der Kulturpflanzen bestäuben. Etwas platt gesagt: Keine Biene, kein Honig. Keine Wespe, kein Apfel. 

Gründe für den Rückgang dieser Vielfalt gibt es einige. Monokulturen, also Äcker, die mit einer einzigen Getreidesorte bebaut werden, führen dazu, dass nur auf die jeweilige Pflanze spezialisierte Tiere Nahrung finden. In der Landwirtschaft eingesetzte Pestizide töten häufig neben Schädlingen auch deren natürliche Fressfeinde und nützliche Bestäuber. Weiterhin nennen Experten Krankheitserreger, invasive Arten, Klimawandel sowie Umweltverschmutzung als Ursachen. 

Aber jeder Hobbygärtner kann etwas tun für Biene und Co. Buntes Flower-Power im Garten und auf dem Balkon ist nicht nur eine Wohltat fürs Auge. Mit den richtigen Tipps und Tricks wird die heimische Terrasse zur farbenfroh blühenden Lounge, die einen für Insekten und Bienen wichtigen Lebensraum und Nahrungsquelle darstellt. Und was schmeckt den Tierchen besonders gut: Wildblumen – die kommen auf engem Raum und in magerer Erde zurecht. Und außerdem: im eigenen Garten ruhig mal eine Ecke Unkraut stehen lassen. Kurz geschorene Gräser und exotische Blumen vergraulen Krabbeltiere. 

Aber auch Landwirte haben ein Herz für Insekten. Sie haben erkannt: Blühwiesen und Blühstreifen entlang von Äckern sind wichtig für die Flieger und Krabbler. Hier zwei Beispiele aus Dithmarschen: Mit ihrer Blühwiese will Familie Herzog aus Schmedeswurth Insekten eine neue Heimat bieten. Interessierte können Pate für einen Teil der Wiese werden. Später werden sich dort vermutlich noch Kleintiere ansiedeln. „Die Pflanzen werden zwischen 30 und 60 Zentimetern hoch“, erklärt Rike Herzog. Dann könnten dort auch Hasen und andere Tiere Schutz suchen. Neben einem Gebiet für Insekten will Familie Herzog noch anderes mit den Blühpatenschaften bewirken. „Wir wollen die Paten sensibilisieren, zum Beispiel dazu, wo man den Pflanzen helfen kann, wie tief sie wurzeln oder wie die Ansaat funktioniert“, sagt die Landwirtin. Dazu gibt‘s auf ihrer Internetseite Informationen. 

Die Kohlbauernfamilie Piening aus Neuenkirchen setzt dagegen auf Blühstreifen entlang ihrer Felder. Das Konzept ist einfach: Rund um seine Anbauflächen legt Niels Piening zwischen Acker und Graben einen vier Meter breiten Streifen mit einer Blühwiese an. Wer etwas für den Naturschutz tun will, kann auch hier als Blühpate einsteigen. Ein Quadratmeter Blühpatenschaft kostet pro Jahr 50 Euro. Das Geld wird in Saatgut für die speziellen Randstreifen investiert. „Wer in einer Stadt wie Hamburg lebt, hat die Möglichkeit, etwas für den Naturschutz zu tun“, sagt Piening, der 400 Hektar bewirtschaftet. Ab Juli können die Blühparten ihre Wildblumenstreifen sogar besichtigen. 

Mehr Infos zu den Blühpatenschaften und Besichtigungstermine: www.kuestenwerke.de (Familie Herzog), www.blueh-fuer-mich.de (Familie Piening).


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