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Auf den Hanf gekommen

Hanf ist leicht frostempfindlich, die Aussaat erfolgt ab April.

Cannabis Sorten für den legalen Faseranbau werden auf einen THC-Anteil unter 0,2 %  gezüchtet.

Wer an Hanf denkt, denkt an Joints und Marihuana. Falsch! Als eine der ältesten Kulturpflanzen ist Hanf ausgesprochen vielfältig in der Verwendung.

Kurze Unterbrechung beim Dreschen. In der Bildmitte sind Maren Thomassek und ihr Sohn Nis zu sehen.

Alt aber oho! Die Alttraktorenfreunde laufen mit ihrem Mähbinder zu Hochform auf, wo modernes Geräte sich als wenig geeignet erweist. 

Beim Dreschen in diesem Jahr herrschten ideale Witterungsbedingungen. 

Knusperhanf, Hanfwürzsalz und Hanftee werden im „Klautermann“ in Meldorf und bei „Kleine Auszeit“ in Marne verkauft.  

Knusperhanf, Hanfwürzsalz und Hanftee werden im „Klautermann“ in Meldorf und bei „Kleine Auszeit“ in Marne verkauft.  

Hier sitzt Alttraktorenfreund Jens Reimers auf dem Selbstbinder, mit dem der Hanf abgeschnitten, gebündelt und ausgeworfen wird.  Foto: Meißner

Hanf-Sorten für den legalen Anbau werden auf einen THC-Anteil unter 0,2 %  gezüchtet. Foto: Berg/Archiv Boyens

Nis und Maren Thomassek bauen Nutzhanf an. In diesem Jahr auf einer Fläche von 2,4 Hektar. Foto: Thode

Von Ellen Hinrichs

Pech, aber so läuft es nicht. Wer die Hoffnung hegen sollte, sich mit Hanfblüten von Familie Thomassek einen Joint zu gönnen, sollte die Aktion ganz schnell vergessen. Das Klauen würde vielleicht ja noch funktionieren, das Trocknen der Blüten und das Rauchen auch, aber mit ersehnten Trip wird es nichts werden. „Das Saatgut, mit dem wir arbeiten, sind von der EU zugelassene Züchtungen mit einem THC-Gehalt von unter 0,2 Prozent“ , sagt Maren Thomassek. Zum besseren Verständnis: Einzig auf das THC (Tetrahydrocannabinol) ist die Rauschwirkung von Cannabis, so der wissenschaftliche Name von Hanf, zurückzuführen. Und auch nur die weiblichen Pflanzen enthalten diesen Wirkstoff.

Dass sogenannter Nutzhanf und solche mit rauscherzeugender Wirkung zwei Paar Schuhe sind, ist – selbst unter Landwirten –wenig bekannt. Doch genau dies ist der Grund, weshalb Maren Thomassek und ihre Söhne Nis und Wilm im vorigen Jahr mit dem amtlichen Bescheid von Nachbar zu Nachbar gestiefelt sind und auch die Polizei darüber informierten, dass der Hanfanbau auf ihren Feldern legal ist. Dass der Hanf, den sie anbauen, so harmlos ist wie der Weizen auf dem Nachbarfeld. Nur dass der Weizen bei weitem nicht mit der Verarbeitungsvielfalt und dem gesundheitlichen Nutzwert mithalten kann. Der ist bei Hanf, je  nach Verwendung, besonders hoch: sowohl was die Zusammensetzung der Aminosäuren angeht als auch das Fettsäuren-Verhältnis.

Nutzpflanze seit 8 000 Jahren

Hanf ist eine der ältesten Nutzpflanzen der Welt. Seine Geschichte reicht 8 000 lange Jahre zurück. Alle Pflanzenteile, selbst die Wurzeln, können verarbeitet werden. Das macht ihn so besonders. „Aus der Hanffaser lassen sich Seile, Textilstoffe und Papier herstellen“, sagt die experimentierfreudige Maren Thomassek, die tatsächlich schon Papier aus Hanfstroh geschöpft hat. Lebensmittel wie der Hanftee kann aus Blatt oder Blüte oder beiden zusammen gemacht werden. Das sehr hochwertige Hanföl wird aus den Samen gewonnen. „Die Finola eignet sich besonders gut für Speiseöl“, bringt sich der 24-jährige Nis Thomassek ins Gespräch ein.

Überhaupt: nur zwei weitere Landwirte in ganz Schleswig-Holstein bauen das Nischenprodukt Hanf an. „Einer ist ein Freund für uns geworden“, sagt Maren Thomassek. Im Gegensatz zu Familie Thomassek, die den Hanfanbau im Nebengewerbe auf etwas mehr als zwei Hektar betreibt, ist dieser als Vollerwerbslandwirt tätig und hat Erfahrung im Hanfanbau. „Wir mussten erst mal ganz viel fragen und uns ein Netzwerk schaffen“, bestätigt Nis Thomassek. Auf seinen Namen ist seit 2019 die Firma „Dithmarschenhanf“ angemeldet, die die erzeugten Hanfprodukte vertreibt. Von der Aussaat bis zur Herstellung der Produkte sind Organisationstalent, Improvisation, Phantasie und Kontakte gefragt. Die ganze Familie und auch Freunde packen schwungvoll mit an. „Was am Küchentisch als Idee entstand, ist unser Herzensprojekt geworden“, sagt Maren Thomassek. 

Die Entwicklung der Produkte von Dithmarschenhanf ist die Domäne von Maren Thomassek. Wer wäre auch besser geeignet als die agile Diplombiologin mit langjähriger Erfahrung in der Lebensmittelqualitätssicherung? Tees, Hanfmehl, Knusterhanf oder Würzsalz werden in den Innenstadtgeschäften „Kleine Auszeit“ in Marne und beim „Klabautermann“ in Meldorf angeboten. Das Lieblingsprodukt von Maren Thomassek? Der Knusperhanf, der sich nach ihrer Aussage wunderbar als Knabbergebäck eignet, aber so vieles gesünder ist als Flips & Co.. Die Autorin schwankt übrigens noch zwischen dem Würzsalz, das aus Steinsalz und gerösteten Samen entsteht, und dem Blatt- und Blütentee. Und versichert hoch und heilig, dass dieser Text zwar unter Teegenuss, aber ganz ohne Rauschwirkung entstanden ist.


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