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Alte Apfelsorten neu entdeckt

Von Inga Bühler

Regionalität und die Wiederentdeckung alter Sorten bei Gemüse und Obst ist nicht nur eine Frage des Trends und der Heimatliebe – es ist einfach rundum sinnvoll. Denn die alten Sorten sind noch gesünder als Obst und Gemüse sowieso schon sind. 

Die englische Volksweisheit „An apple a day keeps the doctor away“ (sinngemäß: Ein Apfel pro Tag vermeidet Arztbesuche) kommt nicht von ungefähr. So ist die Liste gesundheitlicher Vorteile durch Apfelverzehr lang und reicht von der Darmsanierung über die Regulierung von Blutfettwerten bis zur Stärkung des Herzens und des Immunsystems. 

Neu ist die Entdeckung der Vorteile für Allergiker. Während die modernen Apfelsorten oftmals so gezüchtet worden sind, dass sie nach dem Anschnitt noch lange frisch aussehen und nicht braun anlaufen (oxydieren), sehen die alten Sorten schnell alt aus. Das zeigt aber vor allem eines an – den hohen Gehalt an Polyphenolen. Diese Stoffe sind nicht nur für den Geschmack entscheidend, sondern, so die Vermutung der Wissenschaftler von der Charité Berlin, auch für die bessere Verträglichkeit. Es gibt aber nicht die eine, für alle Apfelallergiker, verträgliche Sorte. Mit Bedacht und Vorsicht heißt es, sich an die eigene Sorte heranzutasten. Ein ganzer Garten dieser Sorten ist in Sterup (Angeln) angelegt worden.

Regionalität beim Apfel

Doch nicht alle Sorten, die in Angeln gut gedeihen, sind auch für Dithmarschen geeignet. Denn beim Apfel kommt es auf den Boden an. Womit wir wieder bei der Regionalität sind, denn in Dithmarschen ist die Vielfalt an Böden besonders groß. Leichte, sandige Böden finden sich insbesondere auf der Geest, das muss ein Apfel erst einmal vertragen. 

Es gibt gute Lehmböden, was nach dem Niedergang der regionalen Ziegeleien in Vergessenheit geraten und ein idealer Standort für viele Äpfel ist. Die Marsch mit ihren schweren Böden verträgt dagegen nicht jeder Sorte, einige aber kommen damit sehr gut zurecht. Deshalb raten Fachleute dazu, zum Einzug, Richtfest oder zur Hochzeit nie einen Apfelbaum zu schenken – sondern immer einen Gutschein. So können die Hausherren erstmal ihren Boden erkunden und in Ruhe die dazu passende Apfelsorte auswählen.

Ein letzter, wichtiger Grund für die Auswahl eines alten Apfels für den eigenen Garten liegt in den Zuchtzielen der modernen Sorten. Hier ist alles auf den Ernteerfolg in Plantagen ausgerichtet. Die Bäume sind klein mit hohem Ertrag, die Schale und das Fruchtfleisch robust für die maschinelle Sortierung. Für den eigenen Garten lohnt es sich außerdem etwas zu hegen und zu pflegen, was man nicht ohnehin im Laden günstig bekommen kann.

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In Meldorf neben dem Landwirtschaftsmuseum am Jungfernstieg ist ein Apfelgarten mit alten Sorten entstanden. Gepflegt wird er vom Arbeitskreis Alte Obstsorten im Verein Dithmarscher Landeskunde, der hier alle zwei Jahre die „Apfeltage“ organisiert. Die nächsten Apfeltage finden im September 2020 statt. 

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Empfehlungen für Standorte in Dithmarschen

Für sandige Böden empfiehlt der Meldorfer Pomologe Klaus-Jürgen Paulsen „Stina Lohmann“ (Winterapfel) sowie „Ingrid Marie“ und „Filippa“ (Herbstapfel). Den Boden bei der Pflanzung evtl. durch Kompost verbessern.

Für sandige Lehmböden: alle Sorten, aber Grundwasserstand beachten! Als Winterapfel: „Schöner von Boskoop“ und „Martens Apfel“ (Juwel von Kirchwerder) als Herbstapfel Marsch-/ Kleiboden: hier häufig Staunässe im Winter, daher Boden mit Sand mischen und zu einem Hügel aufwerfen. Bewährt haben sich „Rosa Claussen“ (Herbstapfel), „Finkenwerder Herbstprinz“ und „Boskoop“. ++++++ Mit einer Beratung durch einen erfahrenen Pomologen ergeben sich viele weitere Möglichkeiten. Kontaktadresse: www.pomologen-verein.de

Klaus-Jürgen Paulsen ist Verfasser des Buches „Alte Apfelsorten im Norden“, erschienen 2017 im Boyens-Verlag. | ISBN: 9783804214668


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