Essen und Trinken

Was ist ein Pharisäer?

Ein gutes Paar: Kuchen und Pharisäer

Um das herauszufinden, begeben wir uns auf die in der Nähe von Husum gelegene Halbinsel Nordstrand, die im Mittelalter noch ganz von Wasser umgeben war. Die Bewohner waren bekannt für ihre Ausschweifungen und für ihre Genusssucht. Sie feierten Feste in Saus und Braus, schlemmten und leerten ihre Gläser beachtlich schnell. Nachdem Nordstrand 1634 überschwemmt wurde und dies laut der Sage von Rungholt nur geschah, weil Gott die Bewohner für ihre Völlerei bestrafte, ging es in Nordstrand wieder sittsamer zu. Dennoch trank man gerne und liebte das fröhliche Beisammensein.

Es war einmal

Der Pharisäer feiert seine Geburtsstunde über zweihundert Jahre später im Jahr 1874, um genau zu sein bei einer Kindstaufe, bei der sich viele Menschen versammelten. Da der Pastor anwesend war, durfte kein Alkohol getrunken werden. Traditionell gab es starken Kaffee mit einer großen Sahnekrone, wobei jeder Anwesende zehn bis zwölf Tassen trank, um den Gastwirt nicht zu beleidigen. Der Pastor versuchte die Gäste mit Witzen und Anekdoten bei Laune zu halten, denn ihm war bewusst, dass er der Meute mit seiner Anwesenheit den Hahn zugedreht hat. Spaß könne man auch ohne Alkohol haben, also gab er sein bestes und tatsächlich wurde die Stimmung immer besser.

Ein rauschendes Fest

Was er nicht wusste: Die Feiernden ließen sich ihren Fusel nicht vorenthalten. In der Küche veranlasste der Gastwirt, dass in jede Tasse Kaffee ein Stück Zucker und eine gute Portion Rum gegossen wird, ausgenommen natürlich die Tasse des Pastors. Um den Geruch zu überdecken, wurde eine besonders große Portion Sahne auf den Kaffee gegeben. Die Feiernden wurden immer ausgelassener und prosteten sich mit einem Augenzwinkern zu. Bis das Unglück geschah.

Höhepunkt der Feier

Die Feier war schon fortgeschritten, da kamen die Tassen durcheinander - möglicherweise hatte man in der Küche zu viel des neuen Getränks genascht - und der Geistliche bekam eine Tasse des getarnten Rumgetränks serviert. Bereits beim ersten Schluck bemerkte er die Sauerei. "Ihr scheinheiliges Volk, ihr Pharisäer!", schrie er erzürnt. Damit gab er dem süffigen Getränk einen Namen. Die Geschichte sprach sich auf der gesamten Insel herum und ein jeder probierte den Pharisäer neugierig. Noch heute ist es das Nationalgetränk der Nordstrander und sie sind stolz darauf.

Denn merke: "Wer keen Pharisäer drunk, kennt nicht Nordstrand!"


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