Typisch Küste

Sturmgebrus  – Sturmflutwetter 

Von Werner Hajek

Wenn es so richtig röhrt und pfeift, wenn die Wolken über den Himmel fegen, als würde Wettergott Thor persönlich die Peitsche schwingen, dann hält es uns nicht mehr im warmen Zimmer. Wir müssen hinaus ans Meer, denn die Lücke zwischen zwei Regenschauern nutzen wir zum ultimativen Härtetest, den Sturmspaziergang. 

Aber dafür packen wir uns gut ein, und auch für den textilen Wetterschutz schlägt die Stunde der Wahrheit. Ob Edelklamotte oder Billigware: Jetzt muss die hochgelobte Klima-Membrane einmal zeigen, was wirklich in ihr steckt. Wird der Sturm richtig heftig, dann tobt die Nordsee im Ausnahmezustand. Wütige Brandungswellen spucken Schaumkronen und Treibgut an den Strand; nadelscharf nagt fliegender Sand an unseren Beinen (gut, dass wir Gummistiefel anhaben). Wir inhalieren das Salzaroma der feuchten Meeresluft und spüren ihr raues Peeling auf unserer Gesichtshaut: der Brille tut es eher nicht gut, aber was soll‘s! Schritt für Schritt kämpfen wir uns gegen den Sturm voran, fühlen uns wie Polarforscher, und in den Atempausen kommt das Schönste von allem: Wir drehen den Rücken zum Wind und können uns an ihn anlehnen, ohne umzufallen. Er rüttelt und schubst uns herum, dann geben wir auf und gehen weiter. Bald ist es aber auch genug. Längst vor Einbruch der Dunkelheit sind wir zurück im Trockenen und Warmen und fühlen uns jetzt – fast – so wetterhart wie ein Nordfriesischer oder Dithmarscher Krabbenfischer.

Für einige von uns beginnt das wahre Abenteuer aber erst ein bis zwei Tage später. Dann beginnen nämlich die Festtage für Bernsteinjäger. Das tosende Meer, vor allem bei Südweststurm, hat Massen des nordischen Goldes aus dem Meeresgrund gerissen und an die Strände gespült. Auch sonst ist für „Sachensucher“ Hochkonjunktur: Muscheln, Schnecken, Kisten, Strandholz und leider auch Plastik und Scherben.

Das Sturmflutabenteuer mit Vorsicht angehen!

 

Wer nicht selbst zum Strandgut werden will, geht sein Sturmflutabenteuer mit der notwendigen Vorsicht an. Er / sie hinterlässt für alle Fälle, wo es hingehen soll, und hütet sich vor der früh einbrechenden Dunkelheit und auflaufendem Wasser, das blitzschnell selbst einen sonst absolut trockenen Strand überschwemmen kann.

Kasten: Stürme und Sturmfluten haben unsere Küsten geprägt und abertausende Menschen in den Nassen Tod getrieben. Beharrlich haben sich die Küstenbewohner seit Jahrhunderten gegenan gestemmt, Land verteidigt und wiedergewonnen. Der Kampf wird trotz neuer und starker „Klimadeiche“ wohl immer weiter gehen. Die Zeit der Stürme beginnt im Norden, sobald die Sonne ihr Hauptquartier auf der Südhalbkugel errichtet. Das Temperaturgefälle zwischen Pol und Subtropen wächst, polarkalte Luft drängt verstärkt nach Süden, heiße Luft nach Norden. Genau in unseren Breiten treffen sich die Luftmassen über dem Atlantik zu einem höllischen Tanz, hier entstehen die Sturmtiefs, die an unseren Küsten zum Inferno aufspielen.

Tipp

Das Erlebniszentrum Naturgewalten in List auf Sylt veranschalicht die Vielfalt, Schönheit und Dynamik der Meere und Küsten sowie das Erleben von Naturgewalten.

Hafenstraße 37, 25992 List/Sylt

Tel. 04651 / 83 61 90 info@naturgewalten-sylt.de


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