Kultur und Menschen

Die schöne Kunst des Buchdrucks

Reinhard Scheuble bei der Arbeit (© Karen Seggelke)

Wer sich in der Nähe des schönen Örtchens Witzwort befindet, sollte unbedingt einen Abstecher in die „Quetsche“ machen, eine Kunst-Druckerei, in der liebevoll gestaltete Bücher in Kleinstauflagen entstehen. Anmelden sollte man sich allerdings, denn dort wird tatkräftig skizziert, gepresst, geschnitten und geplant und all dies in einem wundervollen Atelier, in dem man die Kunst des Druckens nicht nur sehen, sondern auch riechen kann. Reinhard Scheuble, Gründer der Quetsche, wurde für seine Arbeit bereits mehrfach ausgezeichnet. Wir haben nachgefragt, was es mit seinem Schaffen auf sich hat.

Herr Scheuble, warum haben Sie sich den Beruf des Buchdruckers ausgesucht?

Nun, das ergab sich als 15-Jähriger Lehrling. Aber ich denke, es war kein Zufall, dass ich Drucker geworden bin. Im Laufe meines Berufslebens habe ich mich zum Künstlerdrucker und Verleger emanzipiert.

Woher beziehen Sie Ihre Manuskripte? Anhand welcher Kriterien wählen Sie aus?

Durch viel Lesen und besonderes Interesse an fantastischen und gruseligen Texten. Manchmal ergibt es sich einfach: Zum Beispiel habe ich auf einem Spaziergang über einen Berliner Friedhof eine Grabinschrift von Arno Holz gelesen, die ich so interessant fand, dass ich sofort in das nächste Antiquariat gegangen bin, ein Buch von ihm gekauft habe und einen prächtigen Text fand. So entstand das Malerbuch Dafnis von Arno Holz.

Sie beherrschen die schöne Kunst des Buchdrucks. Was zeichnet Ihre Arbeit aus?

Buchdruck an sich ist ja ein Handwerk. Ein Handwerk, das überholt ist durch die digitale Revolution, von mir aber in Zusammenarbeit mit Künstlern, mit guten Texten, besonderem Papier, ausgesuchten Schriften und einer Typografie, die auf diese Elemente eingeht, auf eine neue Ebene gehoben wird. Ist das Kunst? Kunsthandwerk?

Zudem mache ich die meisten Bücher zusammen mit meiner Frau, Gisela Mott-Dreizler. Mit ihr zusammen macht es am meisten Spaß. Ein wichtiger Faktor beim Büchermachen.

Beschäftigen Sie sich selbst mit Typographie?

Ich versuche, jedes Buch mit der richtigen Schrift zu machen. Das ergibt sich aus der Idee für das Buch. Wenn ich nicht die richtige Schrift in Blei habe, setze ich auf dem Mac mit passenden Schriften und drucke die Texte von einem Nylonprint-Klischee im Buchdruck. So habe ich mehr Spielräume zum Gestalten.

Was geschieht mit einem Buch, wenn es fertig gesetzt ist?

Das ist ein langer Prozess. Meistens werden erst die Bilder nach einem Konzept (gemalt, Holzschnitt, Lithografie, Radierung oder gemischt) vorher gedruckt. Dann wird die Schrift eingedruckt.

Sie gestalten nicht nur Bücher, Sie verlegen auch. Wie kam es, dass Sie mit „Die Quetsche“ einen eigenen Verlag gegründet haben? Was gehört zum Verlegen alles dazu?

Wenn ich ein Buch mit einer Auflage von 3 bis 50 Exemplaren herstelle, möchte ich natürlich, dass diese Bücher neue Besitzer finden. Das geht nur, wenn ich nach außen gehe, auf Messen oder Ausstellungen. Ich habe den Drang Bücher zu machen und zum Glück gibt es Menschen, die den Drang haben, solche Bücher besitzen zu wollen.

Letztes Jahr hatten Sie Ihr 30-jähriges Jubiläum. Was ist das liebste Buch, das Sie gestaltet/verlegt haben und warum?

Das Jubiläum habe ich auf dieses Jahr ausgedehnt. Es wird ordentlich gefeiert. Mit Ausstellungen und einem „Tag der offenen Tür“ am 15. Mai (Pfingstsonntag), an dem ich zeige, was alles möglich ist mit der Buchdruckkunst. Ein Lieblingsbuch kann ich so nicht nennen. Bei über 90 Büchern ist das auch schwierig. Meistens ist es das Neuste.

Sie als Buchexperte: Können Sie zuhause entspannt ein Buch lesen oder fallen Ihnen handwerkliche Mängel auf?

Ich lese schrecklich gerne. Am meisten in schlaflosen Nächten. Mängel erkenne ich leider immer sofort. Es werden aber noch immer gute Bücher gemacht; das freut mich.

Was verbindet Sie mit der Region Nordfriesland? Hat die Region Einfluss auf Ihre Kunst?

Ich wohne hier seit über 20 Jahren. Nordfriesland ist meiner Heimat geworden. Inzwischen habe ich sechs Bücher mit Texten von Theodor Storm gemacht. Die Umgebung hat großen Einfluss auf mich, das geht aber wahrscheinlich über die Region hinaus.


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