Ausflugs- und Freizeittipps

Es matscht so schön im Watt 

Erfahrungsgemäß das spannendste für Kinder ist der „Matsch“ und sind die kleinen Lebewesen im Wattenmeer.   Fotos. tash/nts Toursimus

Wattführer Jens König, hier im Wattenmeer vor Föhr.   

Ein Vergnügen besonderer Art, ebenso einmalig wie unterhaltsam und lehrreich, ist eine Wattwanderung mit der Familie. 

Von Ulrike Krickau

„Ich will jetzt in den Matsch!“ Der kleine Junge mit dem schicken Hut zieht ungeduldig an der Hand seines Vaters. Da liegt der Matsch doch vor ihm, gleich hinterm Deich, in aller Herrlichkeit. Aber Dr. Ingrid Austen führt die Gruppe aus Kindern und Eltern, die an der Kinderwattführung teilnehmen möchten, noch ein Stück den Deich entlang zu einer Stelle, an der das Watt nicht ganz so weich ist. Da bleiben keine Gummistiefel stecken und die Kleinsten können besser laufen. 

Nach wenigen Schritten ist die richtige Stelle erreicht, die Gruppe ergießt sich ins Watt und verschafft dem Betrachter die denkwürdige Erkenntnis: Das matschige Watt ist das natürliche Habitat der Friedrichsköger Urlaubskinder. Denn es dauert nur Minuten, bis sich die zuvor adrett gekleidete Kleinen auf der Suche nach einem Wattwurm in selbstvergessener Glückseligkeit durch den Schlamm graben. 

Keine Frage, der herrliche Matsch, so weit das Auge reicht, spielt für Kinder die erste Rolle. Auf Platz 2 steht mit Temperament und Grandezza Dr. Ingrid Austen. Sie gehört zur  Wattführergemeinschaft Dithmarscher Nordseeküste, die im Wechsel mit der Schutzstation Wattenmeer viele abwechslungsreiche Watt- und Wiesenführungen in Friedrichskoog ausrichten. Kaum jemand könnte auf diese Aufgabe besser vorbereitet sein als Dr. Ingrid Austen, sie hat Geologie studiert und im Bereich Küstengeologie promoviert.

Mehr als 100 Wattführungen im Jahr 

Weit über 100 Führungen macht Dr. Ingrid Austen heute pro Jahr, sie führt Touristen, Betriebsausflügler und Hochzeitsgesellschaften durchs Watt – und Kinder. Gegen deren Matschbegeisterung (das weiß sie genau) kann sie nur punkten, wenn sie sehr temperamentvoll von den Lebewesen im Watt erzählt. Sie hält Muscheln, Würmer und Würmchen in die Höhe, dreht sich im Kreis, damit alle Kinder um sie herum sehen können, was da zu ihren Füßen lebt und seinen Platz hat. Für die meisten von ihnen ist das sogar noch spannender als der endlose Matsch. Ein kleines Mädchen zeigt Dr. Ingrid Austen eine geschlossene Muschel. „Die lebt noch und damit sie am Leben bleibt, setzt du sie am besten in eine kleine Pfütze.“ Andächtig trägt das Mädchen ihre Muschel zu einer besonders schönen Pfütze. Ebbe und Flut, den Mond, die verschiedenen Formen des Watts, den Tiedenhub, auch darüber spricht Dr. Ingrid Austen – und da sind es eher die Erwachsenen, die ihr Fragen stellen. Gut so, denn auf sie kommt es an in dem einzigen Moment, in dem Dr. Ingrid Austen allen Spaß beiseite lässt und ernst wird: „Bei Wattwanderungen sind Sie sicher, solange kein Priel zwischen dem Ufer und den Menschen ist.“


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