Ausflugs- und Freizeittipps

Auf wackeligen Wegen

von Hartmut Tamcke

Es gibt Momente, in denen muss man seinen „inneren Schweinehund“ schon deutlich überzeugen: „Auch wenn es hier verdammt wackelig aussieht: Wir gehen da rüber!“ Und wackelig ist es eigentlich überall auf den „Wegen“ im Park in Hanerau-Hademarschen. 

Direkt neben der Schule am Sportplatz beginnt nämlich das Abenteuer der besonderen Art: In die alte Parkanlage integriert wurde ein Hochseilklettergarten, der sich in der kurzen Zeit seines Bestehens zur einer Attraktion entwickelt hat, die Besucher aus ganz Norddeutschland in die Gemeinde nahe des Nord-Ostsee- Kanals zieht. 

Den kann man übrigens sehen: Vom „Wipfelpfad“, der von extra aufgestellten Holzmasten aus in die Bereiche oberhalb des alten Baumbestandes im Park führt, ist der Blick frei bis weit in den Norden. Bis man diesen Blick aber genießen kann, müssen aber erst einmal die 25 Meter erklommen werden, die den Blick ermöglichen. Was relativ einfach ist, denn diese mittlerweile fünfte Route des Hochseilgartens beginnt auf dem 20 Meter hohen alten Flakturm, dort startet auch die zweite neue Attraktion, die 160 Meter lange Seilbahn, die die Besucher mit einer Geschwindigkeit von etwa 50 km/h wieder auf den Boden des Parks bringt. Und bevor man die beiden neuen Attraktionen ausprobieren darf, beginnt dort am Boden die gründliche Einweisung, denn ohne die darf niemand in den Klettergarten einsteigen, wie Jörn Nitsch, betont, der den Hochseilgarten zusammen mit Tilo Krause realisiert hat. Dort am Boden, mitten zwischen den alten Bäumen, die auf schonende Weise die stählernen Sicherungsseile und die Teile der insgesamt fünf Routen mit einer Gesamtlänge von etwa 1 000 Metern halten, werden den Besuchern auch die professionellen Klettergurte und die Helme angelegt, ohne die niemand in den Parcours darf. Selbst im Übungsparcours, der nur wenige Zentimeter über dem Boden deutlich werden lässt, dass es fortan nur noch verdammt wackelige Wege gibt, ist die Sicherung Pflicht. Und wer die nicht beherrscht, kommt nicht weiter und muss so lange trainieren, bis es klappt, dass an keinem Punkt der Anlage nicht mindestens ein der zwei Sicherungsseile an den Stahlseilen eingehakt ist. 

Vom „Boden der Tatsachen“ geht es dann langsam in die Höhe: Die ersten Etappen sind etwa fünf Meter hoch, führen über wackelige Platten und Holzstege und enden an der kurzen Seilrutsche, die den Abstieg „erleichtert“ - vorausgesetzt, man bringt den Mut auf und löst sich vom sicheren Stand, um (natürlich absolut sicher) an den Stahlseilen zum Boden zu rutschen.

Höher, noch wackeliger und noch abenteuerlicher geht es im Hochseilgarten weiter - maximal vier Stunden lang. „Dann ist bei den meisten die Kraft am Ende, außerdem lässt dann auch die Konzentration nach“, sagt Jörn Nitsch, der im Hochseilgarten bis zu 30 auch in Rettungseinsätzen ausgebildeten Helfern unterstützt wird. Die sind in der Lage, jeden „Abenteurer“ aus jeder Situation zu befreien, sollte ihn einmal die Kraft oder der Mut verlassen haben. „Sicherheit steht bei uns nämlich an erster Stelle“, versichert Jörn Nitsch und betont, dass einige Anforderungen an Besucher des Hochseilgartens gestellt werden: Kinder ab acht Jahren und mit einer Mindestgröße von 1,4 Metern dürfen zusammen mit Erwachsenen in die fünf Routen, alleine dürfen Kinder ab 14 Jahren in die Anlage. Nach oben gibt es keine Altersgrenze, nur beim Gewicht gibt es Beschränkungen: Bei 120 Kilo ist Schluss.

Aber die meisten Besucher zwischen 1,4 Metern und 120 Kilo kommen begeistert aus dem Parcours und viele von ihnen werden „Wiederholungstäter“. 

Man sieht: Auch wackelige Wege können einen süchtig machen . . .


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